Komet Ikeya-Zhang bei Beta Andromedae
Heidelberg, 29.03.2002, 19:57-20:18 MEZ
Starlight SX CCD-Kamera und Objektiv 1.8/50
IR-Block-Filter. Keine Darks, keine Flats.
Seit den beiden Kometen-Highlights Hyakutake und Hale-Bopp habe ich
kaum noch Kometen beobachtet - ich war einfach übersättigt.
Als ich gestern abend (29.03.2002) kurz nach
Ikeya-Zhang Ausschau
hielt, geschah das auch nur halberzig - ich schaute nur nach Westen,
um meine CCD-Kamera zur Aufnahme des Veränderlichen VV Cep
auszurichten. Weil der Himmel so aufgehellt war, konnte ich das
Sternbild Cepheus nicht richtig erkennen und nahm daher einen kleinen
8x30-Feldstecher zu Hilfe. Ohne große Erwartung schaute ich dann
noch kurz in die Richtung von Beta And, wo der Komet stehen sollte.
Umso größer war dann die Überraschung, einen hellen Kometen mit
auffallendem Schweif und grünlicher Koma zu sehen. Ich konnte gar
nicht anders, als gleich eine kleine Aufnahmeserie zu machen.
Richtung Westen ist für mich eine denkbar ungünstige Himmelsrichtung:
in einigen hundert Metern Entfernung liegt der Hauptbahnhof, gegenüber
dem Hauptbahnhof und 300 Meter von mir liegt die nachts extrem hell
beleuchtete Print-Akademie bzw Print Media Academy,
und mir vor der Nase ist eine sechsspurige
Hauptausfallstraße mit sehr "großzügiger" Beleuchtung. Sterne
schwächer als 3,5mag sind visuell eine Herausforderung, dennoch gelang
es, den Kometen auch ohne Feldstecher zu sehen, und mit dem 11x80 war
der Anblick wunderschön. Alles dies bei einer Horizonthöhe von gerade
einmal 17 Grad.
Der Himmel war so aufgehellt, dass ich mit meinem Setup (eine alte
Starlight-SX-CCD-Kamera
mit einem normalen Foto-Objektiv 1,8/50)
bei zehn Sekunden Belichtungszeit schon einen weißem Himmel erhalten hätte.
Deswegen belichtete ich 20 Aufnahmen jeweils 3 Sekunden lang und
5 Aufnahmen 6 Sekunden lang (diese 5 Aufnahmen wurden mit der
Kamera-Software im Track-and-Accumulate Modus aufgenommen und bestehen
also auch nur aus zwei automatisch kombinierten 3-Sekunden-Aufnahmen).
Die Kamera war auf einem einfachen Fotostativ befestigt, keine
Aufnahme wurde nachgeführt
Verarbeitungsschritte:
Mit MIRA AP 6.0
wurden die Aufnahmen neu skaliert (die Starlight SX hat rechteckige Pixel, die korrigiert werden müssen,
und zur Verbesserung der Bildqualität lohnt es sich, die Aufnahmen
insgesamt größer zu rechnen. Die X-Achse wurde also um den Faktor 1.6
skaliert, die Y-Achse um den Faktor 2.14.
Ebenfalls in MIRA wurden die Aufnahmen registert (also zur Deckung gebracht).
Der letzte Verarbeitungsschritt in MIRA war, aus den registerten
25 Aufnahmen einen interessanten Ausschnitt auszuschneiden. Das habe
ich mit der "Crop"-Funktion aus der Bildserie gemacht.
Mit IRIS 2.1 wurde von jeder der 25 neuen Aufnahmen der Helligkeitsgradient
weggerechnet. Das wäre nicht unbedingt so umständlich nötig gewesen, aber
das Ergebnis fällt etwas besser aus, wenn man für jede einzelne
Aufnahme diese Korrektur macht, als wenn man nur das Endresultat
korrigiert.
In Astroart 1.5
schließlich wurden die 25 Aufnahmen zu einer
einzigen sehr sauberen Aufnahme gemittelt und behutsam der Kontrast mit einer
logarithmischen Funktion angepasst.
Mit Paint Shop Pro 4.15
wurde dann der Feinschliff
für Helligkeit und Kontrast durchgeführt.
Die drei kleinen Bilder zeigen zunächst eines der Rohbilder (als Beispiel),
dann das fertige Bild (siehe ganz oben), und eine kontrastreichere Variante
davon.
Weitere Bilder von Ikeya-Zhang
Aufnahmetechnik vergleichbar der ersten Aufnahme.
31.03.2002, 19:43-20:05 MEZ
Es war so dunstig, dass Beta And nicht
mit bloßem Auge sichtbar war.